GEWINNUNG VON DUFTSTOFFEN

Schon vor 5000 Jahren versuchte der Mensch Duftstoffe aus den verschiedensten Pflanzen zu gewinnen. Vorerst für Salben und Medizin lernte der Mensch schnell die Vorzüge von Duftwässern kennen. Mit fortschreitender Entwicklung wurde es möglich, die reinen Duftstoffe von Pflanzen, die so genannten Ätherischen Öle zu extrahieren. Ätherische Öle sind leicht verdampfende Extrakte der Pflanze, welche deren typischen Geruch widerspiegeln. Im Gegensatz zu anderen Ölen verdampfen sie vollständig und hinterlassen so keine Fettflecken. Ätherische Öle sind in Wasser schwer löslich, weshalb sich Alkohol als Lösungsmittel bewährt hat. Grundlage für die Gewinnung der Duftextrakte sind hierbei unter anderem Früchte, Blüten und Samen der Pflanze. Einige Pflanzen eignen sich dazu, mehrere ätherische Öle zu extrahieren. Als klassisches Beispiel dient hierbei der Orangebaum. Aus den Blüten lässt sich das Neroliöl, aus den Blättern Petitgrainöl und aus der Schale der Frucht Orangenöl gewinnen.
 
 

Destillation

MyParfum - Alambik zur Destillation
Alambik zur Destillation von Duftstoffen
Die Destillation ist ein sogenanntes thermisches Trennverfahren. Schon in der Antike wurden aus einer Mischung von Festkörpern und Wasser ihre verschiedenen Gase durch Verdunstung getrennt. Die ersten Destillationsmaschinen bestanden aus einem Gefäß mit Deckel. Nach dem Erhitzen des Destillats, einem Gemisch aus Wasser und der gewählten Pflanze, schlug sich der Wasserdampf an eingesetzten Schwämmen im Deckel nieder. Durch Auspressen der Schwämme erhielt man anschließend die Essenzen. Später entwickelte man Verfahren, in denen die Dämpfe nicht in einem Schwamm sondern in ein Destillationsrohr geleitet wurden. Anschließend erkalteten sie und wurden in einer florentinischen Vase oder einem Essenzbehälter gesammelt. Nun trennte man Wasser und Geruchstoffe durch einen Abguss und erhielt die gewünschten Essenzen. Dieses Verfahren wird auch heute noch in hochmoderner Form verwandt. An dem Prinzip der Destillation hat sich jedoch nichts geändert.

Extraktion

Die Extraktion ist ein physikalisches Trennverfahren. Hierbei werden warmes Lösungsmittel und das Pflanzengut auf die Roste des Extraktionsbehälters gelegt. Wurden früher noch sehr giftige Stoffe wie Benzoe als Lösungsmittel eingesetzt, verwendet man heute Kohlenwasserstoffgemische wie Hexan. Bei dem Kontakt mit dem Lösungsmittel lösen sich die Ätherischen Öle aus der Pflanzenmasse und gehen in die Flüssigkeit über. Da sich hierbei die Öle mit dem Lösungsmittel komplett mischen, wird es solange mit weiteren Pflanzen eingesetzt, bis es sich komplett mit ätherischen Ölen gesättigt hat. Ist das Öl gesättigt (bei manchen Pflanzen wiederholt man diesen Vorgang bis zu achtmal) muss das Lösungsmittel entfernt werden. Hierzu nutzt man eine gezielte Destillation. Da das Lösungsmittel einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser hat, genügen hier niedrigere Temperaturen als bei der Wasserdestillation. Anschließend kann das lösungsmittelfreie Extrakt entzogen werden. Dieses Verfahren nennt man auch Concrète. So wird ein wachsartiger Stoff gewonnen: die ,‚Essence Concrète''. Vermischt man diesen Stoff nun mit Alkohol und erhitzt ihn, wird durch weitere Destillation die Essence Concrète auf seine reinen pflanzlichen Komponenten reduziert. Übrig bleibt dann der reine Duftstoff.

 

Enfleurage und Mazeration

Die Enfleurage ist ein Absorptionsverfahren zur Gewinnung von Fetten, den so genannten Pomaden aus den Blüten einer Pflanze. Neben der Destillation und der Extraktion ist auch die Enfleurage ein seit Jahrhunderten bekanntes Verfahren zur Gewinnung von Duftstoffen. Prinzipiell unterscheidet man bei der Enfleurage zwei Arten: Die Enfleurage à froid und die Enfleurage à chaud, die sogenannte Mazeration.
 
Bei der Enfleurage à froid, also die Enfleurage im eigentlichen Sinne, werden die frischen Blüten vorsichtig auf mit Schweineschmalz bestrichenen Glasplatten mit Holzumrahmung gestreut und leicht angedrückt. Innerhalb einiger Tage saugt dann das tierische Fett die Duftanteile aus der Blüte auf. Nach weiteren Tagen werden dann die Blüten erneuert, um eine möglichst hohe Sättigung des Fettes mit Duftstoffen zu gewährleisten. Dieser Vorgang kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Wenn das Fett gesättigt ist, erhält man als Resultat die so genannte Pomade. Anschließend werden die Duftstoffe mit Alkohol herausgelöst und man erhält die „Essence absolue d’enfleurage“, das reine Blütenöl. Je nachdem wie oft die Blüten erneuert wurden, z.B. nach 20-maligem Austauschen der Blüten, nennt man die Pomade dann Pomade Nr. 20.
 
Bei der Enfleurage à chaud, auch Mazeration genannt, wird eine wesentlich schnellere Technik zur Gewinnung der Öle verwendet. Hier werden die Blüten mit erwärmtem Fett verrührt und anschließend auf 60 Grad Celsius erhitzt. Nach jedem Erhitzungsvorgang werden die Blüten ausgetauscht. Ähnlich wie bei der Enfleurage à froid wird auch hier Öl und Fett durch Alkohol getrennt, das Produkt wird Mazerat genannt.
 
Die Enfleurage bei Zimmertemperatur ist die älteste Methode zur Gewinnung von Duftstoffen überhaupt. Heute ist sie fast vollständig eingestellt worden. Nur noch wenige Düfte, wie Jasmin und Tuberose werden auf diese Weise gewonnen.

Molekülsynthese

 
MyParfum - Duftstoffgewinnung im Labor
Duftstoffgewinnung im Labor
Da der Bedarf an Duftstoffen sehr groß geworden ist, bauen Chemiker heutzutage die Duftbausteine einzelner Pflanzen nach. Aber auch die Duftstoffe von Tieren wie Moschus, Ambra und Bibergeil müssen aus Tierschutzgründen synthetisch hergestellt werden. Möglich ist die Synthese durch die Analyse der Molekülstrukturen einzelner Stoffe. Mit Hilfe von Gaschromatographen, das sind Analysatoren, werden die freiwerdenden Moleküle beim Verdunsten von Ätherischen Ölen getrennt und einzeln analysiert. Im Laufe der Jahre hat dieses Verfahren Perfektion erreicht, sodass selbst kleinste Spuren perfekt nachgebaut werden können. Seit einigen Jahren wird in der Parfumerie auch die Massenspektroskopie eingesetzt. Mit Hilfe dieser Methode ist es möglich, die Atomstruktur bis ins Kleinste zu durchdringen. Anschließend werden die Atome und Moleküle in einen gasförmigen Zustand versetzt und ionisiert. So ist es möglich, die Struktur der Moleküle bis ins Einzelne aufzudecken. Diese Hightech-Methoden sind für Parfumeure heute eine Selbstverständlichkeit. Diese Verfahren haben dazu beigetragen, nahezu jeden Duft naturidentisch herstellen zu können, sodass es eine unbeschreiblich große Vielfalt an Duftkombinationen gibt.
 
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Die Gewinnung von Duftstoffen für das individuelle Parfum

Die Gewinnung von Duftstoffen geht mehr als 5000 Jahre zurück. Seitdem haben sich mehrere Verfahren etabliert, um an die wertvollen ätherischen Öle aus den verschiedenen Früchten, Blüten und Samen von Pflanzen zu gelangen. Ätherische Öle sind sehr schwer in Alkohol lösbar, weshalb Ethanol als ideales Lösungsmittel gilt und in allen Parfums verwendet wird. Einige der wichtigsten Verfahren zu Gewinnung von Duftstoffen sind die Destillation, Extraktion, Enfleurage und Molekülsynthese. Die Destillation ist dabei die populärste Methode, um die ätherischen Öle der Pflanze zu entziehen. Sie ist ein thermisches Trennverfahren, das bereits in der Antike genutzt wurde. Die Extraktion ist hingegen ein physikalisches Trennverfahren, das vor allem bei Blütenölen verwendet wird. Der Vorteil dieser Methode ist der, dass der Duft der jeweiligen Pflanze ähnlicher ist als bei destillierten Ölen. Die Enfleurage wird nur noch selten verwendet, da sie sehr aufwendig ist. Die Molekülsynthese gewinnt dagegen immer mehr an Bedeutung, da auch tierische Duftstoffe mittlerweile synthetisch hergestellt werden.

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